Rettungsring oder Mühlstein?

Hilft uns OpEx, den Corona-Sturm zu überstehen, oder gehen wir damit schneller unter?

Ein Sturm kommt auf

Mit der Corona-Krise ist ein Sturm über die Wirtschaft eingebrochen, den kein Wetterfrosch vorhersagen konnte. Wie ein Unwetter, das von Woche zu Woche an Wucht und zerstörerischer Kraft zugelegt hat, ist es über uns hereingebrochen.

Alle Firmen haben schnell versucht, ihre jeweiligen Schiffe sofort „wetterfest“ zu machen, um bestmöglich durch diese Naturgewallt zu kommen. Die Kapitäne und Steuermänner der Firmen mussten schnell handeln und sind gezwungen worden zu entscheiden, was wichtig ist und wo Abstriche gemacht werden müssen. In dieser Situation, wo schnell und radikal gehandelt werden muss, ist in vielen Firmen auch das OpEx-Programm auf den Prüfstand gestellt worden.

OpEx als Rettungsring oder Mühlstein?

Wir haben während der letzten Monate in unseren Interaktionen mit Firmen der Prozessindustrie unterschiedliche Verhalten im Bezug auf ihre OpEx-Programme erlebt. Einige Organisationen haben die laufenden OpEx-Aktivitäten eingestellt und sich voll auf das Krisenmanagement konzentriert. Andere Firmen dagegen haben weiterhin auf die eingeübten OpEx-Routinen gesetzt, allerdings mit etwas angepassten Zielen und Priorisierungen, zum Beispiel durch kleinere Losgrößen.

Wir haben uns gefragt, warum es diese divergierenden Reaktionen auf die Corona-Krise im Bezug auf OpEx gegeben hat. Ein OpEx Programm wird scheinbar von der einen Firma als „Rettungsring-um-den-Bauch“ eingeschätzt, während es von der anderen als „Mühlstein-um-den-Hals“ gesehen wird.

OpEx mit Überstunden oder Kurzarbeit?

Unser Austausch mit den jeweiligen Organisationen zeigt uns, worin die Unterschiede liegen. Besonders in der Krise wird Fokus auf die überlebensnotwendigen Aktivitäten gelegt. Dort wo die OpEx-Programme Antworten auf die Challenges der Krise liefern, sind Überstunden für die Optimierer angesagt. Wo das OpEx-Programm die Firmen nur wie ein Accessoire „geschmückt“ hat, werden auch sie als Kostenposition gesehen, die in der Krise minimiert werden – die Folge ist dann Kurzarbeit für die OpEx-Kollegen.  

Dieser „Lackmus-Test“ zeigt in der Krise, ob die OpEx-Programme einen Mehrwert liefern beziehungsweise geliefert haben. Wenn OpEx in der Krise keine Antworten oder Lösungen liefern kann, dann war Ihr Programm bereits vorher unwirksam und folglich ein Teil der Verschwendung, die mit OpEx eigentlich bekämpft werden sollen – keine schöne Vorstellung.

Nach dem Sturm ist vor dem Sturm

Wenn wir davon ausgehen, dass wir in immer turbulenteren Zeiten leben und operieren werden, dann müssen wir auch davon ausgehen, dass solche Challenges häufiger auf unsere OpEx-Programme zukommen werden. Wir sind daher gut beraten, unsere Programme jetzt auf ihren Wertbeitrag zu untersuchen, denn eines ist gewiss – der nächste Sturm wird kommen…

9. Juni 2020
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