DSGVO…wie bitte?

Die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) hat schon ein wenig was von Weihnachten. Auf einmal ist es da und kein einziges Geschenk ist besorgt.

Tatsächlich sind die mit der DSGVO einhergehenden Veränderungen seit gut zwei Jahren bekannt. Bis zum Stichtag 25.05.2018 waren bemerkenswert viele kleine und mittelständische Betriebe der festen Überzeugung, all das beträfe sie nicht. Von Vereinen, Kirchengemeinden und anderen sozial engagierten Organisation ganz abgesehen. Et kütt wie et kütt und et hätt noch emmer joot jejange. Kölsch pragmatisch wurde sich über gut zwei Jahre hinweg um die wirklich wichtigen Dinge im Leben gekümmert. Der Rubel muss schließlich rollen. Da bleibt keine Zeit für Nebensächlichkeiten.

Die Nebensache hat tatsächlich existenzrelevantes Potential. Verstöße gegen die DSGVO können mit bis zu 4% des Unternehmensumsatzes geahndet werden. Dies ist seit dem 25.05.2018 auch beim letzten „Aussitzer“ angekommen. Die Zeit des Dornröschenschlafs ist vorbei und mit Hochgeschwindigkeit durch Ratlosigkeit oder hektische Betriebsamkeit abgelöst.

Wie ist so eine Entwicklung möglich, wenn eine so einschneidende Veränderung alle betrifft? An Desinteresse oder Ignoranz in flächendeckendem Ausmaß glaube ich nicht.

Es ist offensichtlich, dass adäquate Aufklärungsarbeit im frühen Vorfeld Not getan hätte. Sicher hat die Bundespolitik viel Energie in Mediendarstellungen investiert. Aber reichte das aus? So klar wie die Härte der Neuregelungen war, so klar war auch von Anfang an, dass bei tatsächlicher Durchsetzung von Sanktionen mit der Existenz insbesondere kleiner und mittelständischer Unternehmen sowie Handwerksbetrieben jongliert wird.

Andererseits, würden mit Rücksicht auf eben diese Unternehmensgruppen Sanktionen nicht durchgesetzt, so wäre dies in Bezug auf das derzeit geltende Regelwerk eine Bankrotterklärung für den Verbraucherschutz.

Mein persönliches Fazit: Verbraucher- und insbesondere Datenschutz ist wichtiger denn je, aber:

Die Bundesregierung hat in Sachen Kundenorientierung eindeutig Nachschulungsbedarf. Die deutsche Wirtschaft funktioniert nicht ohne die Vielzahl an kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die Bundesregierung hingegen scheint diese aber nicht als Wirtschaftsmotor wahrzunehmen geschweige denn ist sie sich ihrer Verantwortung für diese im Klaren. Eine zielführendere und effizientere Art der Sensibilisierung im Vorfeld wäre eine Investition an der richtigen Stelle gewesen. So wird jetzt eben in kostenintensive Nachbearbeitung und -justierung investiert (weit ab vom Lean-Gedanken).

Aber, am Ende ist eines wichtig. Der Umgang mit unseren Daten ist reguliert. Oder etwa nicht?

3. Juli 2018
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